Andere Größen der klassischen Homöopathie

Dr. Constantin Hering , geb. am 1.1.1800 in Oschatz, Sachsen, studierte Medizin in Dresden und Leipzig und war ursprünglich auf der chirurgischen Laufbahn, auf der ihm von seinem Ausbilder angeordnet wurde, eine Schrift gegen die Homöopathie zu verfassen. Er beschäftigte sich mit ihr, und da gleichzeitig seine Hand sich wegen einer schweren Infektion entzündete und von den Schulmedizinern amputiert werden sollte, konnte er sich am eigenen Leib von der Wirksamkeit der Homöopathie überzeugen. Seine Hand genas durch Gaben von Arsenicum album vollständig, und die Homöopathie hatte einen neuen glühenden Anhänger. 1826 verfasste Hering seine Dissertation "De medicina futura" ("Über die Medizin der Zukunft"), und ging nach Südamerika, Surinam, um dort eine Leprastation zu leiten. Er machte die Bekanntschaft des Missionars G.H. Bute, der sich hiernach ebenfalls intensiv mit Homöopathie beschäftigte und schließlich nach Amerika weiterzog. Dort kam es 1833 zu einer Cholera-Epidemie, zu deren Bekämpfung er Hering, zwischenzeitlich in Paramaribo niedergelassen, zu Hilfe bat. Dieser kam, sah und die Homöopahtie siegte. 1835 kam es zur Gründung der "Nordamerikanischen Akademie für homöopathische Heilkunst" in Allentown mit Dr.Wesselhöft, einem Deutschen, der zu den Homöopathen der ersten Stunde in Amerika zählte. 1848 wurde schließlich die älteste homöopathische Lehranstalt der Welt, das 'Hahnmann Medical College' in Philadelphia von Hering, Dr. Williamson und Dr. Jeanes gegründet.

Zwischen Hahnemann und Hering herrschte große gegenseitige Hochachtung, und obwohl sich beide bis zu Hahnemanns Tod 1843 nicht persönlich trafen, führten sie einen regen Briefwechsel. Das Diplom, das Melanie d'Hervilly, die zweite Frau Hahnemanns, zur Ausübung der Heilkunde in Frankreich autorisieren sollte, wurde auf Bitten ihres Mannes schließlich von Hering nach Schließung der Akademie in Allentown (1835) ausgestellt und nach Paris gesandt.

Auf Hering gehen die in Deutschland oft gebrauchten D-Potenzen zurück, die er zum ersten Mal bei der Prüfung der südamerikanischen Buschmeisterschlange, Lachesis muta, der stummen Klapperschlange, einsetzte. Auch das häufig in der Schulmedizin benutzte Nitroglycerin, homöopathisch Glonoinum, wurde von ihm erstmals geprüft.

Dr. Adolphus Graph zur Lippe Weissenfeld (1812-1888)

Geboren in See bei Görlitz, begann er, entsprechend der Familientradition, ein Jurastudium in Berlin und brach es dann ab, um seinem Interesse für Homöopathie zu folgen. Er wanderte nach Amerika aus und schrieb sich am 27.8.1841 zum Studium an der "North American Academy of Homoeopathy" in Allentown ein. Seine Lehrer waren unter anderem Constantin Hering und W. Wesselhoeft. In Amerika nannte er sich ab 1837 nur mehr Adolf Lippe. Nach mehreren erfolgreichen Praxen wird er schließlich Professor für Materia Medica und Fakultätspräsident, wobei er als solcher jedoch mit Hering über den Wert der Pathologie streitet und deshalb die Anstellung verlässt. Sein ältester Sohn, der später die Grundlage (Repertory of the More Characteristic Symptoms of the Materia Medica) für das von J. T. Kent realisierte große homöopathische Repertorium legte, wurde dennoch ebenfalls Constantin getauft. Lippe gilt noch immer als der beste Praktiker der Homöopathie überhaupt.

Dr. William Boericke (1849-1929)

Dr. William Boericke wurde in Östereich geboren, studierte für ein Jahr in Wien und emigrierte dann in die USA, wo er 1880 des Abschluss des Hahneman College in Philadelphia erhielt. Er war der erste Professor für Materia Medica an der Universität von Kalifornien in San Francisco. Er verfasste ein noch immer gern gelesenes Materia Medica Grundlagenwerk, dem sein Bruder Oskar ein kurzes Repertorium beisteuerte.