
Eine Heilung im Sinne von vollständiger Beseitigung von Krankheitssymptomen wird natürlich sowohl von der Allopathie als auch von der Homöopathie angestrebt. Da die Allopathie ihrer Natur gemäß ("allo" heißt "gegen" auf griechisch) die Symptome durch eine ihrer Natur entgegengesetzte Kraft zu unterdrücken sucht, fällt es ungleich schwerer, eine Heilung herbei zu führen.
Im Allgemeinen ist die Allopathie aus diesem Grund zumindest bei chronischen Erkrankungen auf die ständige oder zumindest intermittierende Gabe von Medikamenten angewiesen, da der Körper offensichtlich bemüht ist, die krankhafte Störung wieder herzustellen, und damit nach Abklingen der Medikamentenwirkung die Krankheitssymptome normalerweise wieder hervorbrechen (Organon, im folgenden nur mehr mit § gekennzeichnet, §23). Dies kann jeder Patient bestätigen. Es gibt praktisch keine chronische Erkrankung, bei der nicht normalerweise lebenslang Medikamente eingenommen werden müssten. Die Homöopathie versucht hingegen, und dieses Prinzip ist es, das von Hahnemann entdeckt wurde, die Krankheit zuerst möglichst ähnlich zu imitieren, worauf diese dann verschwindet. Die bekannte Erstverschlimmerung ist ein Hinweis auf dieses Prinzip.
Die starke Verdünnung der Medikamente, die erst sukzessive nach vielen Jahren praktischer Erfahrung und Versuche über die materielle Dosis (also die Avogadro-Konstante; ab etwa der Potenz c23 = 23x 1:100 verdünnt und verschüttelt) hinausging, entstand aus dem Versuch, diese Erstverschlimmerung so milde wie möglich zu gestalten. Ein Beispiel: Nach einer Tasse Kaffee (das meistgetrunkene Getränk in Deutschland!) spürt man eine deutlich Aufhellung der Stimmung, man fühlt sich positiver und tatendurstiger, gleichzeitig ist man wacher und klarer im Denken. Nach einiger Zeit setzt nun die umgekehrte Wirkung ein, man wird müde und abgeschlafft. Die Homöopathie versucht nun dies zu nutzen, indem sie das Medikament Coffea cruda Patienten gibt, die grundsätzlich schon recht positiv eingestellt sind oder sogar speziell dann leiden, wenn sie gute Nachrichten erhalten; sie sind darauf schlaflos und aufgeregt. Nach einer Einnahme würde der Patient, neben diesen sicher angenehmen Wirkungen, auch seine krankhaften Symptome verlieren, und dies umso milder, je höher die Potenz (also die Verdünnung) war.
