
1. Auswahl des homöopathischen Mittels
Bei der Homöopathie handelt es sich am ehesten um eine Therapie, die nach kybernetischen (= Steuerung komplexer Systeme) Gesichtspunkten vorgeht und damit in der Lage ist, fast alle menschlichen Körperfunktionen, sei es Denken, Fühlen oder auch körperliche Eigenschaften, eben meist als Krankheiten bezeichnet, zu verändern. Dies kann man sich so vorstellen, wie eine fertig programmierte Software, die keine Substanz enthält und dennoch einem Anwender das Leben wesentlich erleichtern kann und in der Hand eines geschickten Anwenders sehr leistungsstark sein kann. Analog wirkt auch Homöopathie auf der immateriellen, informativen Ebene und sie kann Abläufe im Menschen auf allen Ebenen verändern. Auch eine Software benötigt hierzu allerdings die passende Hardware, d.h. die Software eines Systems, ist auf einem anderen System vollkommen nutz- und wertlos. Obwohl sie aber keinen materiellen Wert oder auch nur materielle Eigenschaften besitzt. Wird die richtige Software (Globuli) auf die passende Hardware (Mensch oder anderes Lebewesen) gegeben, verändert sich das dort ablaufende Programm, wodurch der Organismus wieder in Gesundheit überführt werden kann. Dies läuft in einem langsamen aber steten Prozess ab, der sich teilweise jahrelang hinziehen kann, dessen positive Veränderungen sich aber schon nach wenigen Wochen zeigen sollten. Da es nicht nur einige wenige menschliche Betriebssysteme gibt sondern hunderte oder gar tausende, ist die Auffindung des passenden Programms (= homöopathischen Mittels) häufig eine schwierige Angelegenheit. Dies erfordert eine umfangreiche Anamnese und ein ständiges Weiterbilden auf Seiten des homöopathischen Arztes.
2. Eine Warnung, wie es nicht sein sollte
Wie zuvor bereits erwähnt, kann es teilweise einiger Versuche bedürfen, bis der Behandler das korrekte Arzneimittel gefunden hat. Allerdings sollte kein ständiger Wechsel des Mittels stattfinden, da die Wirkung sich lange Zeit weiter entfaltet. Dies ist ungefähr mit den Dominosteinwettbewerben vergleichbar, bei denen sich, wenn der richtige Stein einmal angestossen wurde, eine ganze Turnhalle, in der die Steine ausgelegt wurden, verändern kann. Dies sollte nach fast mathematisch festgelegten Regeln geschehen, die in der Homöopathie als 'Hering'sche Gesetze' bekannt sind. Diese wurden zu weiten Teilen schon von S. Hahnemann selbst beobachtet und in seinem theoretischen Hauptwerk, dem 'Organon der Heilkunst' beschrieben. Ein Behandler, der unkontrolliert, also ohne Zwischenbesprechung mehrere Mittel verordnet, verstößt also grob gegen diese Regeln. Es mag hierbei spannend für den Patienten erscheinen, immer wieder neue Facetten seiner selbst durch unterschiedliche Mittelgaben zu spüren. Zu einer Heilung führt dies aber nie. In der Regel hinterläßt es verwirrte Patienten, die nach einiger Zeit nurmehr sehr schwer zu sich selbst finden. Die Behandlung akuter Beschwerden, was so oft als Domäne der Homöopathie betrachtet wird, geht im Grunde genommen an den eigentlichen Möglichkeiten dieses Systems vorbei und sollte v.a. im Rahmen einer chronischen Behandlung stattfinden.
Es gibt auch eine Art der Homöopathie, die, ähnlich zur Allopathie, eine Wirkung eines homöopathischen Mittels zur Hauptwirkung erklärt und so ihre Anwendung zu vereinfachen sucht. Beispiele sind die Anwendung von Thuja bei Warzen oder von Arnika bei stumpfen Verletzungen oder noch schlimmer das Zusammenmischen von mehreren Mitteln zu sog. Komplexmitteln, deren Wirkung dann ebenfalls nur noch gegen eine schulmedizinische Krankheitsentität gerichtet sein soll. Dies wirkt natürlich, wie auch die Schulmedizin selbst, ausschließlich unterdrückend, man wird hier nie das Heilungsgesetz von oben nach unten, von wichtigeren auf weniger bedeutende Organsysteme und von innen nach außen sehen.
Ein weiterer wichtiger Anzeiger für falsche Homöopathie ist das regelmäßige Wiederholen des Mittels. Auch Hahnemann selbst hat übrigens in Leipzig und später in Köthen gegen diese Versuche seiner Kollegen, die Homöopathie zu vereinfachen, gekämpft und sie als 'Bastard'- oder 'Halbhomöopathen' beschimpft. Bis heute ist diese Methode jedoch, leider, die wohl am häufigsten anzutreffende Art der Homöopathie in Deutschland. Es ist einfach anzuwenden und läßt sich nahtlos in eine allopathische Praxis integrieren, wird aber auch von 'reinen' Homöopathen gerne angewandt, da man es mit so viel geringerem geistigen Aufwand umsetzen kann.
3. Warum ist Homöopathie komplett wissenschaftlich?
Die Basis der Homöopathie ist das Austesten der Symptome von Arzneistoffen an 'gesunden' Menschen und deren genaues Notieren. Wenn der Behandler diese (Prüfungs)Symptome und die zugehörigen Mittel gut kennt, kann er sie auch den entsprechenden Menschen bzw. Patienten zuordnen. Diese sogenannte Arzneimittelprüfung wird seit 2 Jahrhunderten unverändert durchgeführt und hat mittlerweile zu einer riesigen Pharmakopoe (Sammlung bekannter Arzneien mit ihrem Wirkbereich) geführt. Es wird hier also nicht nach dem Zufallsprinzip eine Wirkung gesucht, die sich oft unvermutet und in vollkommen ungeplanten Zusammenhängen ergibt (Beispiele sind die Entdeckung des Wirkstoffes Sildenafil (Viagra) bei erektiler Dysfunktion (Erektionsstörung) oder das sehr häufig bei Verdauungsstörungen verwendete Metoclopramid, MCP, das eigentlich in die Stoffklasse der Neuroleptika gehört), sondern es gibt konkrete Anweisungen, wie man sich die komplexe Wirkung eines Medikaments zugänglich machen kann. Dass die Anwendung dann recht schwierig ist und eher einer Kunst entspricht, erkannte auch Hahnemann, der sein 'Organon der rationellen Heilkunde' ab der zweiten Auflage in 'Organon der Heilkunst' umbenannte.
4. Reisen zu Dr. Prafull Vijayakar
Durch die äußerste Komplexität des Themas gibt es immer nur einige wenige Menschen, deren natürliches Talent und deren Arbeitskraft sich so paaren, dass sie in der Lage sind die Homöopathie wesentlich weiter entwickeln zu können. Einer davon ist Dr. Prafull Vijayakar in Mumbai, der vor Jahren aufgrund seiner fulminanten Erfolge eine eigene Schule aufmachte, die er ‚Predictive Homoeopathy’ nannte. Er hat in den vergangenen 35 Jahren meist 15 Stunden täglich in seiner Praxis gearbeitet und teilweise 20 neue Patienten gesehen, denen er dennoch die nötige Aufmerksamkeit zu schenken in der Lage war. Hierdurch konnte er die Anwendung der oben beschriebenen Prüfsymptomlisten in der Praxis weiter verfeinern und die bekannten Heilregeln auf ein tiefes wissenschaftliches Fundament stellen und weiter entwickeln. Mit unermüdlichem Arbeitseifer war er dabei in der Lage hunderte von homöopatischen Ärzten in Indien in seiner Art der klassichen Analyse auszubilden und ihnen die Grundlagen seiner Anwendung der Mittel weiter zu geben. Um daran zu partizipieren, fahre ich etwa 3 bis 4x im Jahr nach Indien und hospitiere in seiner Praxis.
Im Gegensatz zur Allopathie (Schulmedizin) arbeitet die Homöopathie also auf eine sehr elegante Art. Sie erklärt nicht eine Wirkung zur Hauptwirkung, wegen der ein Medikament vermarktet wird und alle anderen zu Nebenwirkungen, die evtl. in Kauf zu nehmen sind. Hier wird versucht möglichst viele der bekannten Wirkungen (= Symptome) eines Arzneimittels in Rechnung zu stellen und an den zu behandelnden Organismus anzupassen (indem das korrekte Medikament gefunden wird). Geschieht dies, kann, wie oben bereits erwähnt, an vielen Hebeln gleichzeitig gestellt werden und der Organismus zu Heilung gebracht werden (s. § 1 des Organon der Heilkunst).
Der entscheidende Unterschied zur traditionellen Medizin:
Nicht die Krankheit im Menschen, sondern der Mensch in Krankheit wird behandelt!
In der Praxis bei Dr. Vijayajar in Mumbai
Eine Hilfe für Tierheilpraktiker
Eine gute Zeitschrift auch für 'kleinere' Mittel